
ILLUMINATENORDEN
Bruderschaft der Illuminaten
DER ILLUMINATENORDEN
Der Weg zur Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung
Der Illuminatenorden steht in der Tradition der Aufklärung, der Selbsterkenntnis und der geistigen Vervollkommnung des Menschen. Fernab moderner Mythen und Sensationsgeschichten widmet sich diese Gemeinschaft der philosophischen, ethischen und initiatischen Entwicklung des Einzelnen.
Diese Website eröffnet Einblicke in Geschichte, Lehre und Symbolik des historischen Illuminatenordens sowie in seine geistigen Grundlagen innerhalb der europäischen Geistes- und Freimaurertradition. Für Suchende, Interessierte und Brüder bietet sie die Möglichkeit, hinter die äußeren Vorstellungen zu blicken und sich mit den tieferen Fragen von Erkenntnis, Verantwortung und menschlicher Entwicklung auseinanderzusetzen.

Illuminati Order - Est. 1776
Der Illuminatenorden
Als Suchender tritt der Mensch an eine Schwelle, die weniger ein Tor zu einem Geheimnis ist, als vielmehr zu sich selbst. Der Illuminatenorden erscheint dem Außenstehenden oft als ein Geflecht aus Mythen, Vermutungen und verborgenen Absichten – und gerade diese Schleier nähren die Neugier. Doch wer näher tritt, erkennt: Hinter der Fassade des Geheimnisvollen verbirgt sich kein verborgenes Machtstreben, sondern ein durchdachtes pädagogisches System, das auf die innere Entwicklung des Menschen gerichtet ist.

Die Schottenloge "Zur starken Wehr im Westen" in Essen
Die Schottenloge der Illuminaten: Im Herzen des Ruhrgebiets lebt eine kaum bekannte Tradition fort, deren Wurzeln bis in die Geheimbünde der Aufklärung reichen. Die Schottenloge „Zur starken Wehr im Westen“ verbindet freimaurerische Hochgradarbeit mit der geistigen Tradition des Illuminatenordens, der 1776 von Adam Weishaupt gegründet wurde.

Buchempfehlung:
Die Konstitution der Illuminaten
Die Konstitution der Illuminaten ist kein gewöhnliches Dokument. Sie ist ein Wegweiser für jene, die mehr suchen als oberflächliche Antworten. Schon an der Schwelle wird deutlich: Dieser Orden verspricht keine verborgenen Machtstrukturen, keine sensationellen Enthüllungen – sondern etwas weit Anspruchsvolleres. Dich selbst.
Zwischen Dunkelheit und Licht entfaltet sich eine Lehre, die radikaler ist als jede Verschwörung:
Das wahre Licht ist nicht im Außen zu finden – sondern im Inneren des Menschen.
Einstieg in die Inhalte
Die Entstehung des Illuminatenordens
Ursprung, Idee und verborgene Kontinuität einer aufklärerischen Geheimgesellschaft
Der Illuminatenorden gehört zu den meistdiskutierten und zugleich am meisten missverstandenen Geheimbünden der europäischen Geschichte. Zwischen Mythos, Verschwörungstheorie und historischer Realität liegt eine Entwicklung, die tiefer reicht als gemeinhin angenommen wird: Es handelt sich nicht um ein Machtkartell im Verborgenen, sondern um ein bewusst strukturiertes System zur Selbstaufklärung des Menschen und zur Reform von Gesellschaft und Wissen.
1. Die historische Gründung – Bayern im Zeitalter der Aufklärung
Vor der Gründung des Illuminatenordens befand sich Bayern in einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher und geistiger Umbrüche. Das Zeitalter der Aufklärung stellte überkommene Autoritäten zunehmend infrage und rückte Vernunft, Bildung und die Fähigkeit des Menschen zur Selbstbestimmung in den Mittelpunkt. Dennoch war das Kurfürstentum Bayern weiterhin stark von der katholischen Kirche geprägt. Universitäten standen unter erheblichem kirchlichem Einfluss, Zensur schränkte den freien Austausch von Ideen ein, und staatliche sowie religiöse Autoritäten bestimmten weite Bereiche des öffentlichen Lebens. In diesem Spannungsfeld entwickelte der Ingolstädter Professor für Kirchenrecht Adam Weishaupt seine Vorstellung einer reformorientierten Gemeinschaft, die nicht auf Revolution, sondern auf Bildung und moralische Entwicklung setzte. Seine Überzeugung war, dass gesellschaftlicher Fortschritt nur durch die Erziehung des einzelnen Menschen zu Vernunft, Tugend und Eigenverantwortung erreicht werden könne.
Am 1. Mai 1776 gründete Weishaupt in Ingolstadt zunächst den Bund der Perfectibilisten, aus dem sich wenig später der Illuminatenorden entwickelte. Der Begriff „Perfectibilisten“ leitete sich von der Idee der menschlichen Vervollkommnungsfähigkeit ab und brachte das zentrale Anliegen des Bundes zum Ausdruck: Der Mensch sollte durch Bildung, Selbsterkenntnis und charakterliche Arbeit zu einem besseren Mitglied der Gesellschaft werden. Der frühe Orden verstand sich daher nicht als politischer Geheimbund im modernen Sinn, sondern als ein pädagogischer Reformbund, dessen Mitglieder durch persönliche Entwicklung langfristig auf eine vernünftigere Gesellschaft hinwirken sollten. Erst in den folgenden Jahren entstanden die ausgearbeiteten Organisationsformen, Grade und Konstitutionen des Ordens.
Weishaupt war überzeugt, dass weder Gesetze noch Gewalt allein eine dauerhafte Verbesserung der Gesellschaft bewirken könnten. Entscheidend sei vielmehr die innere Bildung des Menschen. Deshalb entwickelte er das Konzept einer „Schule der Menschheit“, in der Philosophie, Ethik, Geschichte, Naturrecht und praktische Charakterbildung miteinander verbunden wurden. Die Mitglieder sollten nicht nur Wissen erwerben, sondern dieses in verantwortungsvolles Handeln umsetzen. Der Illuminatenorden verstand Bildung niemals als Selbstzweck, sondern als Mittel zur moralischen Vervollkommnung und zum Dienst an der Gemeinschaft. Dieses Selbstverständnis prägte die frühen Jahre des Ordens maßgeblich.
Ein prägnantes Zeugnis dieser Zielsetzung findet sich bereits in den historischen Ordensschriften, in denen es heißt: „Handeln ist also ihr erster Zweck, die Welt besser und klüger zu machen.“ Dieser Satz fasst den ursprünglichen Anspruch des Illuminatenordens treffend zusammen. Im Mittelpunkt standen weder Macht noch politischer Umsturz, sondern praktische Aufklärung, persönliche Verantwortung und die stille Wirkung eines vorbildlichen Lebens. Historisch betrachtet war der Illuminatenorden damit ein Produkt der europäischen Aufklärung und Ausdruck des damaligen Vertrauens in Vernunft, Erziehung und die Möglichkeit, den Menschen durch Bildung nachhaltig zu verbessern. Diese Grundgedanken ziehen sich durch die historischen Quellen ebenso wie durch die moderne Rekonstruktion der frühen Ordensidee.
2. Verbindung zur Freimaurerei – Nutzung bestehender Strukturen
Die rasche Ausbreitung des Illuminatenordens wäre ohne die bereits bestehenden Strukturen der Freimaurerei kaum denkbar gewesen. Nachdem Adam Weishaupt den Orden gegründet hatte, erkannte er, dass die Freimaurerlogen über ein europaweites Netzwerk gebildeter und gesellschaftlich engagierter Männer verfügten. Gleichzeitig gewann er den Eindruck, dass viele Logen ihre ursprünglichen aufklärerischen Möglichkeiten nicht vollständig ausschöpften. In den internen Ordensschriften wird diese Einschätzung ausdrücklich festgehalten: „Adam Weishaupt […] war zuerst Freimaurer, als ihm bald klar wurde, dass die Freimaurer-Logen nicht dazu imstande waren, ihr Potential auszuschöpfen.“
Vor diesem Hintergrund verstand sich der Illuminatenorden nicht als Konkurrenz zur Freimaurerei, sondern als deren Ergänzung und Vertiefung. Weishaupt übernahm zahlreiche bewährte Elemente der Freimaurerei, darunter die symbolische Lehrmethode, den gestuften Erkenntnisweg, Rituale sowie die Organisation in kleinen, vertrauensvollen Gemeinschaften. Diese Formen wurden jedoch mit einem stärker strukturierten pädagogischen Programm verbunden. Der Schwerpunkt lag auf einer systematischen Charakterbildung, konsequenter Selbstreflexion und einer kontinuierlichen Schulung der Vernunft. Ziel war es, Persönlichkeiten hervorzubringen, die durch ihre moralische Reife und ihr verantwortungsbewusstes Handeln langfristig positiven Einfluss auf ihr gesellschaftliches Umfeld ausüben konnten.
Besonders nach dem Beitritt des Freiherrn Adolph Freiherr Knigge im Jahr 1780 gewann diese Verbindung erheblich an Bedeutung. Knigge brachte umfassende Erfahrungen aus der Freimaurerei mit und entwickelte ein differenziertes Gradsystem, das den Orden eng an bestehende freimaurerische Strukturen anband. Dadurch konnte sich der Illuminatenorden innerhalb vieler Logen verbreiten, ohne zunächst als eigenständige Organisation in Erscheinung zu treten. Historisch entstand so keine Parallelorganisation im organisatorischen Sinn, sondern vielmehr ein Netzwerk von Ordensmitgliedern, die innerhalb bestehender Freimaurerlogen nach gemeinsamen pädagogischen Grundsätzen arbeiteten und dort gezielt geeignete Persönlichkeiten förderten.
Das eigentliche Ziel dieser Verbindung lag nicht in der Kontrolle der Freimaurerei, sondern in ihrer inhaltlichen Weiterentwicklung. Weishaupt verstand den Orden als eine „Schule der Menschheit“, deren Aufgabe darin bestand, den Menschen durch Erkenntnis, Tugend und praktische Lebensführung zu bilden. Die Freimaurerei bot hierfür eine bereits etablierte Infrastruktur mit Ritualen, Symbolen und vertraulichen Versammlungen, die der Illuminatenorden für seine pädagogischen Zwecke nutzte. Die historische Forschung bewertet den frühen Illuminatenorden deshalb überwiegend als einen ethisch-pädagogischen Reformbund, der sich bestehender freimaurerischer Strukturen bediente, um die Ideale der Aufklärung wirksamer zu verbreiten und den Einzelnen zur Selbstvervollkommnung anzuleiten.
3. Verfolgung und strategisches Überleben
Bereits wenige Jahre nach seiner Gründung geriet der Illuminatenorden in den Fokus der kurbayerischen Behörden. Zwischen 1784 und 1785 erließen Kurfürst Karl Theodor und seine Regierung mehrere Verbotsedikte gegen geheime Gesellschaften, die schließlich auch den Illuminatenorden erfassten. Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen von Ordensarchiven und umfangreiche Ermittlungen führten dazu, dass zahlreiche interne Dokumente sichergestellt wurden. Diese Akten bildeten später die Grundlage für die zwischen 1787 und 1790 veröffentlichten Originalschriften des Illuminatenordens, die bis heute zu den wichtigsten historischen Quellen über den Orden zählen. Viele Mitglieder verloren ihre Ämter, mussten Bayern verlassen oder zogen sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Nach der traditionellen Überlieferung des heutigen Ordens bedeutete dieses Verbot jedoch nicht zwangsläufig das vollständige Ende seiner Tätigkeit. In den internen Ritualakten wird die Situation aus der Perspektive des Ordens wie folgt beschrieben: „Der Orden wollte Zeit gewinnen und durch seine vorgetäuschte Zerstörung den Blicken der Feinde entkommen.“ Diese Darstellung spiegelt das Selbstverständnis der späteren Ordensüberlieferung wider und beschreibt eine bewusste Strategie, um den äußeren Verfolgungsdruck zu überstehen. Historisch gesichert ist, dass zahlreiche Mitglieder ihre Aktivitäten einstellten oder sich aus der Öffentlichkeit zurückzogen; ob dies Teil eines einheitlich geplanten Vorgehens war, wird in der Forschung unterschiedlich bewertet.
Den Ritualakten zufolge beruhte diese Strategie auf mehreren Maßnahmen. Führende Persönlichkeiten wie Adam Weishaupt und Adolph Freiherr Knigge traten öffentlich von ihren Funktionen zurück, um den Druck auf den Orden zu verringern und weitere Aufmerksamkeit von den verbliebenen Mitgliedern abzulenken. Gleichzeitig sollen an verschiedenen Orten Lese-, Bildungs- und Erholungsgesellschaften entstanden sein, die nach dieser Überlieferung einzelne Aufgaben des Ordens weiterführten, ohne als Fortsetzung des Illuminatenordens erkennbar zu sein. Darüber hinaus beschreibt die interne Tradition eine verstärkte Tätigkeit innerhalb bestehender Freimaurerlogen, in denen persönliche Kontakte und philosophische Arbeit auch nach dem Verbot fortgesetzt worden seien.
Unabhängig davon, wie einzelne Elemente dieser Überlieferung historisch zu bewerten sind, zeigt sich ein wesentliches Merkmal des Illuminatenordens: Seine Organisationsform war von Beginn an dezentral, in kleinen Zirkeln aufgebaut und stark auf persönliche Beziehungen ausgerichtet. Dadurch war der Orden weniger von zentralen Einrichtungen abhängig als viele andere Vereinigungen seiner Zeit. Aus Sicht der internen Ordensquellen ermöglichte gerade diese Struktur, auch unter schwierigen politischen Bedingungen Ideen, Lehrinhalte und persönliche Netzwerke weiterzuführen. Die historische Forschung bestätigt zwar das Verbot und die Zerschlagung der offiziellen Organisation in Bayern, bewertet jedoch die Frage einer kontinuierlichen Fortexistenz unterschiedlich. Während einige Historiker von einem faktischen Ende des Ordens ausgehen, verweisen Strukturen innerhalb der Freimaurerei auf ein fortführen des Ordens durch einzelne Mitglieder und nachwirkende Netzwerke, die aufklärerische Gedanken auch nach dem Verbot weitertrugen.
4. Der Aufbau des Illuminatenordens
Der historische Illuminatenorden war keine lose Vereinigung Gleichgesinnter, sondern ein sorgfältig aufgebautes Erziehungssystem mit klar definierten Stufen, Verantwortlichkeiten und Lehrzielen. Bereits in den frühen Ordenskonzeptionen entwickelte Adam Weishaupt ein mehrstufiges Modell, das den Fortschritt eines Mitglieds nicht allein vom erworbenen Wissen, sondern vor allem von dessen persönlicher Reife und charakterlicher Entwicklung abhängig machte. Der Orden verstand sich als „Schule der Menschheit“, in der Erkenntnis schrittweise vermittelt und zugleich die moralische Eignung der Mitglieder fortlaufend geprüft wurde. Unterricht, Selbstreflexion und praktische Lebensführung bildeten dabei eine untrennbare Einheit.
Die grundlegende organisatorische Einheit dieses Systems war und ist bis heute die Minervalkirche, die in den historischen Quellen als kleinste Arbeits- und Lehrgemeinschaft des Ordens beschrieben wird. In den modernen Rekonstruktionen der Ordensüberlieferung wird dieses Prinzip ausdrücklich beibehalten: „Sie darf aus nicht weniger als 2 und nicht mehr als 11 Teilnehmern bestehen.“ Diese bewusst begrenzte Gruppengröße diente mehreren pädagogischen Zielen zugleich. Kleine Kreise ermöglichten ein hohes Maß an persönlichem Vertrauen, erleichterten die individuelle Begleitung jedes einzelnen Mitglieds und schufen die Voraussetzungen für intensive Gespräche, regelmäßige Unterweisung und eine kontinuierliche Charakterbildung. Gleichzeitig verringerte diese dezentrale Struktur das Risiko, dass der gesamte Orden durch die Entdeckung einzelner Gruppen gefährdet werden konnte.
Jede Minervalkirche beziehungsweise Minerval-Loge stand unter der Leitung eines Oberen, der weit mehr als eine organisatorische Funktion erfüllte. Seine Aufgabe bestand darin, geeignete Kandidaten auszuwählen, ihre persönliche Entwicklung zu begleiten, Unterricht zu erteilen und den inneren Zusammenhalt der Gruppe zu fördern. Der Obere sollte dabei nicht allein Wissen vermitteln, sondern vor allem durch eigenes Vorbild wirken. Die Ausbildung orientierte sich an den Idealen der Aufklärung und verband philosophische, ethische und historische Inhalte mit praktischer Selbsterziehung. Ziel war es, Mitglieder hervorzubringen, die Vernunft, Verantwortungsbewusstsein und moralische Standfestigkeit gleichermaßen entwickelten.
Charakteristisch für dieses Organisationsmodell war seine Verbindung aus pädagogischer Begleitung und schrittweiser Verantwortungsübertragung. Fortschritte innerhalb des Ordens wurden nicht automatisch durch Zeit oder Zugehörigkeit erreicht, sondern setzten persönliche Eignung, Beständigkeit und nachweisbare Entwicklung voraus. Auf diese Weise entstand ein System, das weniger auf formale Hierarchie als auf kontinuierliche Bildung und individuelle Reife ausgerichtet war. Gerade diese Verbindung aus kleinen Arbeitsgemeinschaften, persönlicher Betreuung und einem klar gegliederten Erkenntnisweg zählt zu den prägenden Merkmalen des historischen Illuminatenordens und unterscheidet ihn von vielen anderen Geheimgesellschaften des 18. Jahrhunderts.
5. Das zentrale Ziel – Licht aus der Dunkelheit
Kaum ein Symbol prägt den historischen Illuminatenorden so stark wie der Gegensatz von Licht und Dunkelheit. Entgegen späteren Mythen oder populären Verschwörungserzählungen bezeichnet dieses Begriffspaar jedoch keine übernatürlichen oder geheimnisvollen Kräfte. Es steht vielmehr für einen erkenntnistheoretischen und pädagogischen Prozess, der eng mit den Idealen der europäischen Aufklärung verbunden ist. Licht symbolisiert Erkenntnis, Vernunft und Selbstbewusstsein, während Dunkelheit für Unwissenheit, Vorurteile, Aberglauben und unreflektierte Leidenschaften steht. Der Weg des Illuminaten besteht daher nicht darin, verborgenes Geheimwissen anzuhäufen, sondern durch Selbsterkenntnis zu einem verantwortungsvollen und freien Menschen zu werden.
Dieses Verständnis wird in den Ordensunterlagen ausdrücklich hervorgehoben. Im Wegweiser für Novizen heißt es: „Das Licht ist nicht im äußeren Schein zu finden, sondern im eigenen Inneren.“ Damit knüpft der Orden unmittelbar an das aufklärerische Menschenbild des 18. Jahrhunderts an. Wahre Erkenntnis entsteht nicht durch Autoritäten oder bloße Überlieferung, sondern durch eigenes Nachdenken, kritische Prüfung und die Bereitschaft, sich selbst ehrlich zu hinterfragen. Der Begriff des „Erleuchteten“ bezeichnet deshalb keinen Menschen mit geheimen Privilegien, sondern jemanden, der sich bewusst um innere Reife und moralische Entwicklung bemüht.
Aus diesem Grund nimmt die Selbsterkenntnis im Illuminatenorden eine zentrale Stellung ein. Bereits zu Beginn des Erkenntnisweges werden die Mitglieder aufgefordert, ihre eigenen Motive, Stärken, Schwächen und Leidenschaften zu prüfen. Erst wer sich selbst versteht, kann nach der Überzeugung des Ordens verantwortungsvoll auf andere Menschen einwirken und einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten. Bildung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht allein die Aneignung von Wissen, sondern vor allem die Fähigkeit, das eigene Denken kritisch zu reflektieren und daraus verantwortliches Handeln abzuleiten.
Die Symbolik von Licht und Dunkelheit beschreibt deshalb einen fortwährenden Entwicklungsprozess. Die Dunkelheit verschwindet nicht endgültig, sondern bleibt als Möglichkeit des Irrtums, der Selbsttäuschung und der Unwissenheit stets bestehen. Aufgabe des Illuminaten ist es, diesem Zustand durch Vernunft, Charakterbildung und moralisches Handeln immer wieder entgegenzutreten. Der eigentliche Anspruch des Ordens besteht somit nicht im Besitz geheimer Wahrheiten, sondern in der Bereitschaft, sich selbst kontinuierlich weiterzuentwickeln, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und das erworbene Wissen zum Wohl anderer einzusetzen. In diesem Sinn verstand sich der historische Illuminatenorden als praktische Schule der Aufklärung, deren höchstes Ziel die innere Erleuchtung des Menschen und nicht die Beherrschung anderer war.
6. Der Illuminatenorden - Ein Orden zwischen Geschichte und Gegenwart
Die Geschichte des Illuminatenordens beginnt im Zeitalter der europäischen Aufklärung und ist untrennbar mit den Reformideen des ausgehenden 18. Jahrhunderts verbunden. Als Adam Weishaupt den Orden am 1. Mai 1776 in Ingolstadt gründete, verfolgte er weder das Ziel einer politischen Revolution noch den Aufbau einer geheimen Machtorganisation. Sein Anliegen war die Schaffung einer pädagogischen Gemeinschaft, die Menschen durch Bildung, Selbsterkenntnis und moralische Entwicklung zu verantwortungsbewusstem Handeln befähigen sollte. Dieses Verständnis zieht sich wie ein roter Faden durch die historischen Quellen und erklärt, weshalb der Illuminatenorden von vielen Historikern heute vor allem als ethisch-pädagogischer Reformbund eingeordnet wird.
Kennzeichnend für den Orden war und ist seine klar strukturierte Organisation. Kleine Arbeitsgruppen, ein stufenweiser Erkenntnisweg und die enge Verbindung von theoretischer Unterweisung und praktischer Charakterbildung sollten gewährleisten, dass Erkenntnis nicht bloß vermittelt, sondern im persönlichen Leben verwirklicht wurde. Der einzelne Mensch steht dabei stets im Mittelpunkt. Nicht Rang, Herkunft oder gesellschaftlicher Einfluss entscheiden im Illuminatenorden über den Fortschritt innerhalb des Ordens, sondern persönliche Reife, Selbstdisziplin und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Die staatlichen Verbote in Bayern in den Jahren 1784 und 1785 beendeten die offizielle Tätigkeit des Illuminatenordens. Gleichwohl zeigt sowohl die historische Quellenlage als auch die spätere Ordensüberlieferung, dass viele der aufklärerischen Ideen weiterwirkten. Die internen Ritualakten schildern diese Zeit als Phase der Anpassung und organisatorischen Neuorientierung, in der kleine, dezentrale Strukturen den Fortbestand der Lehre sichern sollten. Unabhängig von der unterschiedlichen historischen Bewertung dieser Überlieferung wird deutlich, dass der eigentliche Kern des Ordens nie in einer bestimmten Organisationsform lag, sondern in einem Bildungs- und Erziehungsideal, das sich veränderten gesellschaftlichen Bedingungen anpassen konnte.
Gerade darin liegt die historische Besonderheit des Illuminatenordens. Sein Anspruch beruhte nicht auf Geheimnissen um ihrer selbst willen, sondern auf der Überzeugung, dass eine bessere Gesellschaft nur durch gebildete, selbstkritische und verantwortungsbewusste Menschen entstehen kann. Bildung sollte Dogmatismus überwinden, Erkenntnis blinden Glauben ersetzen und persönliche Verantwortung an die Stelle bloßen Machtstrebens treten. Diese Grundgedanken entsprechen dem Selbstverständnis der europäischen Aufklärung und verleihen dem ursprünglichen Programm des Ordens bis heute eine bemerkenswerte Aktualität.
Dieses Selbstverständnis bringt der Wegweiser für Novizen in einem Satz auf den Punkt: „Sich selbst zu erleuchten, das innere Licht zu entzünden und auszubreiten, ist der Weg und das höchste Mysterium eines Illuminaten.“ Damit wird deutlich, dass der historische Illuminatenorden sein eigentliches Ziel nicht in der Beherrschung anderer Menschen sieht, sondern in der fortwährenden Arbeit am eigenen Charakter. Aus dieser Perspektive erscheint der Illuminatenorden weniger als Gegenstand späterer Verschwörungserzählungen denn als ein charakteristisches Produkt der Aufklärung, dessen zentrales Anliegen die Verbindung von Vernunft, moralischer Selbstvervollkommnung und verantwortlichem Handeln ist. Bis in die heutige Zeit.